Samstag, 20. Juni 2009

Reisebericht vom Urlaub im März

In letzter Zeit habe ich mir echt wenig Zeit genomme für den Kontakt nach Deutschland. Das tut mir Leid. Dafür jetzt mein Reisebericht, den meine Papa geschrieben hat über unseren gemeinsamen Urlaub. Danke dafür, Papa!


Camino del Perú – eine Reise durch ein Land mit vielen Kontrasten

Peru ist ein trockenes staubiges Land mit vielen grünen Gärten und Feldern. Kilometerweit sieht man keine Siedlungen, Gehöfte und Menschen und wird morgens durch den lärmenden Großstadtverkehr mit hunderten von Autos geweckt. Malerische Sandstrände erstrecken sich entlang des Pazifiks, beeindruckende Gebäude recken sich am Strand von Lima in den Himmel und am Fuß der beginnenden Berge klettern armselige Hütten die sonnendurchglühten Hänge hinauf.
Peru ist ein Land mit vielen Gegensätzen manchmal auf engstem Raum. Das haben wir auf Schritt und Tritt erlebt bei unserer Reise durch das Land. Drei Wochen waren wir unterwegs und haben immer weitere Kreise gezogen.
Die erste Woche waren wir in Lima, wo Lars-Kristoffer lebt und arbeitet. Ich habe das Viertel erlebt, bei seiner damaligen Familie Carranza: „San Martin de Porres, Palao, primera entrada“ hat mir Lars-Kristoffer auf einen Zettel geschrieben, falls wir uns einmal verlieren. Dann hätte ich das einem Taxifahrer sagen können, dass er mich wieder heimbringt. War aber nicht nötig! Wir waren im staubigen Armenviertel Indepedencia und im reichen grünen Miraflores am Meeresstrand. Die Viertel liegen in entgegen gesetzter Richtung von Lima und sind genauso gegensätzlich. Im Aquapark bestaunten wir die Springbrunnen und im Y-Camp, dem Strand der ACJ – etwa 11/2 Busstunden südlich von Lima am Pazifik gingen wir Fischen. Hier waren wir zwei Tage und genossen Wind und Wellen, Sonne und Meer beim Geschrei der Möwen und dem Flug der Pelikane. Sogar Delphine sahen wir im Wasser spielen. Psalm 104 wurde uns hier so richtig vor Augen geführt: „Herr wie sind deine Werke so groß und so viel … Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere. … Da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen…“
Die selbst gefangenen Fische (von Lars-Kristoffer) haben wir am selben Abend noch zu Ceviche verarbeitet – ein traditionelles (rohes) Fischgericht mit Zwiebeln, viel Limonensaft und Aji („achi“), ganz scharfes Zeug (wie Chili).




Wir kochen auch zweimal deutsch. Ich habe Kloßteig mitgebracht und Rahmsoße (in der Tüte) und Spätzle. Einmal kochen wir bei Bethkes, Gerd und Claudia und Lea-Marie, die Bruderschaftssekretärsfamilie und einmal für die Gast-Familie Carranza. Beim ersten Mal gibt’s fränkische Klöße mit Kassler und Sauerkraut und beim zweiten Mal Spätzle mit Rahmsoße und Geschnetzeltem vom Huhn (Huhn ist typisch für Peru).




Zum Abschluss der ersten Woche erleben wir noch die Hochzeit von Alfredo Carranza junior und Carolina. Es wird viel getanzt bis in die frühen Morgenstunden. Dabei wird schnell klar, dass der Walzer-Takt beim Hochzeitstanz nichts für Peruaner ist. Bei Salsa blühen sie erst richtig auf. Die spannendste Frage bei der Hochzeit war: Wann kommt wieder Wasser aus dem Hahn? Ab etwa 14 Uhr gab es unvorhergesehen kein fließendes Wasser mehr im Hause Carranza, wo gefeiert werden sollte. Duschen war nicht mehr möglich und die Clo-Spülung hatte auch keinen Nachschub mehr – und das bei mindestens 40 Gästen, die kommen sollten!!! Hier fehlte nicht der Wein - wie in der biblischen Wundergeschichte - sondern das Wasser! Doch ab 19 Uhr hatte der Wasserhahn wieder Druck – auch Dank einiger stiller Gebete.
In der zweiten und dritten Woche waren wir auf Tour im Süden von Peru. Wir fuhren mit dem Bus nach Arequipa in den Anden, gingen auf einen Zwei-Tages-Trip zu den Kondoren ins Colca-Tal, besuchten die alte Inka-Hauptstadt Cusco, kamen ins Heilige Tal der Inkas (Valle sacrado de los Inkas) und ließen uns faszinieren von der alten Ruinenstadt Machu Picchu. Hier trafen wir ein Fernsehteam vom ZDF, die Szenen für eine „Traumschiff“-Folge drehten – und wir sollten gleich als Statisten mitmachen. Es waren zwei ereignisreiche Wochen immer auf einer Höhe von mindestens 2.000 Metern. Arequipa liegt auf 2.300 Meter Höhe und Cusco auf zirka 3.500 Metern. Arequipa ist von zum Teil schneebedeckten Bergen




umgeben und von Vulkanen, die bis zu 6.000 Meter hoch sind. Auch von Cusco führen die Wege auf fast allen Seiten nur steil nach oben. Das ist bei der dünnen Luft nicht immer leicht zu verkraften und wir kommen ganz schön ins Schnaufen. Jeder Tag ist voll neuer Erlebnisse und Entdeckungen. Wir lernen viele liebenswürdige Menschen kennen – und dennoch ist man ständig auf der Hut vor Taschendieben. Die Plätze – insbesondere die „Plazas de Armas“, die Hauptplätze in den Städten und Dörfern strahlen Großzügigkeit aus, aber alle Häuser sind aus Sicherheitsgründen vergittert und eingezäunt. Der ACJ leistet in Arequipa eine wichtige Arbeit für die Ärmsten der Armen mit seiner medizinischen Station, seiner Strickschule und –werkstatt sowie der Bäckerei.



Wir wohnen bei Walter, dem leitenden Mitarbeiter der ACJ (Peruaner trotz des Namens) und seiner Frau Arlen. Wir lernen Christian und Katja Cordt aus Lüdenscheid kennen mit ihren beiden Töchtern Line (3 Jahre) und Jordi (5 Jahre). Sie leben als Familie für ein Jahr in Arequipa (auch Volontäre) und arbeiten in der ACJ mit (von ihnen gibt’s ne eigene Website: www.news.cordts-unterwegs.de).
Im Colca-Tal baden wir in heißen Schwefelquellen (Chivai) und erleben die Kondore am Cruz del Condor im blauen Himmel dahinsegeln. Hier möchten wir bleiben und stundenlang den Flugkünstlern zuschauen.




Wir erfahren das „Valle sacrado de los Inkas“ auf Touristenweise im Komfort-Bus und mit Fremdenführer und erlauben uns doch auch unsere eigenen Freiheiten. Lars-Kristoffer kann mit seinen Peru- und Spanischkenntnissen ein guter Führer sein. Immer wieder erleben wir, dass sich Situationen, die unklar erscheinen zum Positiven öffnen. Es sind spannende Tage, wo der Morgen noch nichts vom Abend weiß. Wir fahren auch mit „normalen“ überfüllten Bussen und erleben die Menschen in Peru in ihrem Alltag. So sind wir immer beides Touristen und Menschen, die Peru nicht nur an der Oberfläche erleben – auch dank der persönlichen Kontakte über die ACJ, den peruanischen CVJM. Gut dass es diese weltumspannende Familie gibt.
Wir erleben viel Kultur - peruanisch, inka-geprägt, katholisch, spanisch, europäisch. Wir erleben wie die Menschen in Peru keine Möglichkeit auslassen ein paar Soles zu verdienen – mit dem Verkauf von Indio-Waren an jeder Bushaltestelle, von Obst und Getränken auf den Märkten, von selbst gemalten Peruansichten und CD’s mit traditioneller Musik in den Straßen, mit dem Angebot sich in malerischer Tracht mit Lämmchen oder Baby-Alpaka fotografieren zu lassen vor historischer Kulisse, mit Volkstänzen auf dem Marktplatz und vielen anderen Ideen.


Voll mit Eindrücken treten wir von Cusco aus die Heimfahrt an; eine Fahrt mit Hindernissen quer durch die Anden. Statt der üblichen 18-20 Stunden werden es 26 Stunden durch einen liegen gebliebenen Lkw in einer Dorfdurchfahrt, durch den notwendigen Umweg und durch Straßensperrung wegen Bauarbeiten. Die Peruaner nehmen das alles mit großer Gelassenheit – und wir haben Urlaub. Letztlich kommen wir doch wieder im großen Verkehrsgewühl in Lima an – Ein ungewohntes Bild nach neun Tagen in den Anden.

Mit dem Besuch im Wasserpark von Lima am letzten Abend mit mehr als 20 grandiosen farbig beleuchteten Springbrunnen beenden wir drei ereignisreiche Wochen in Peru. Ich fliege wieder nach Hause und Lars-Kristoffer ist gespannt auf die zweite Halbzeit bis August.

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